Symposium „Interdisziplinäre Perspektiven auf Schutzgebiete“
08. Mai 2025
Von 28. bis 29. April 2025 kamen Österreichs UNESCO-Lehrstühle in Villach zusammen. Ein Rückblick auf zwei bereichernde Tage zwischen Hochschule und Naturpark.
Im Mittelpunkt der diesjährigen Tagung standen der interdisziplinäre Austausch über Schutzgebiete sowie die Vernetzung mit lokalen Akteur:innen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft.
Die UNESCO rief vor mehr als 30 Jahren das UNITWIN/UNESCO Chairs Programme ins Leben, um ihre Aktivitäten an Hochschulen zu verankern und die internationale Zusammenarbeit im Hochschulbereich zu fördern. Seither sind die UNESCO-Lehrstühle wichtige Partner bei der Umsetzung der Ziele der UNESCO in allen Bereichen ihres Mandats – Bildung, Wissenschaft, Kultur sowie Kommunikation und Information. Die Lehrstühle greifen neue Forschungs- und Themenfelder auf und wirken beispielsweise an der Entwicklung von Standards und Verfahren der UNESCO mit. Weltweit gibt es mittlerweile rund 1.000 aktive UNESCO-Lehrstühle, 13 davon in Österreich. Einmal jährlich treffen sich diese 13 Lehrstühle, um sich über ihre Arbeitsschwerpunkte und zentrale Themen auszutauschen. Im April 2025 fand dieses Treffen in Kärnten statt.
Symposium „Schutzgebiete aus interdisziplinärer Perspektive“
Schutzgebiete wie Nationalparks, Naturparks und von der UNESCO ausgewiesene Gebiete, darunter Biosphärenparks und Geoparks, werden eingerichtet, um Ökosysteme, biologische Vielfalt und kulturelle Besonderheiten zu schützen. Um die Vielfalt von Schutzgebieten – als Orte des Naturschutzes und der Landschaftspflege ebenso wie als Lern- und Erfahrungsräume – abzubilden, näherten sich Österreichs UNESCO-Lehrstühle dem Thema bei ihrer Jahrestagung bewusst aus einer interdisziplinären Perspektive.
Welche Verbindungen bestehen zwischen Schutzgebieten und Friedensforschung, Restaurierungswissenschaften, Zukunftsforschung und digitalem Humanismus? Welche Auswirkungen haben aktuelle politische Entwicklungen, Klimawandel, (Over-)Tourismus und neue Technologien in diesem Zusammenhang? Welche Kompetenzen sind notwendig, um Schutzgebiete angesichts tiefgreifender Veränderungsprozesse und unterschiedlicher Interessen auch künftig zu erhalten?
Diesen und weiteren Fragen widmete sich das Netzwerk der UNESCO-Lehrstühle beim Symposium „Interdisziplinäre Perspektiven auf Schutzgebiete“. Zu den Gästen zählten Vertreter:innen des UNESCO-Lehrstuhls für Ökohydrologie und grenzüberschreitendes Wassermanagement an der Sokoine University in Tansania sowie wissenschaftliche Mitarbeiter:innen der CU Hochschule Kärnten. Das Symposium bildete den Auftakt der diesjährigen Netzwerktagung an der CU Hochschule Kärnten in Villach.
Podiumsdiskussion und Fortsetzung des Austauschs
Ausgewählte Aspekte der Diskussion zum Thema „Schutzgebiete“ wurden noch am selben Abend vor Publikum im Hauptvortragssaal der Hochschule aufgegriffen und vertieft. Alle Teilnehmer:innen der Podiumsdiskussion waren sich einig, dass angesichts der Herausforderungen für Schutzgebiete die interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie die Erweiterung des Wissens in allen Studienbereichen von zentraler Bedeutung sind.
Die Podiumsdiskussion „Schutzgebiete – materielle und imaginative Räume des Bewahrens und des Wandels aus interdisziplinärer Perspektive“ bot darüber hinaus die Möglichkeit, die Arbeitsschwerpunkte der einzelnen UNESCO-Lehrstühle näher kennenzulernen.
Nach einleitenden Worten von Peter Granig, Rektor der CU Hochschule Kärnten, und Martin Fritz, Generalsekretär der Österreichischen UNESCO-Kommission, diskutierten Antje Bierwisch (UNESCO Chair in Futures Capability for Innovation and Entrepreneurship, MCI Innsbruck), Michael Jungmeier (UNESCO-Lehrstuhl für nachhaltiges Management von Schutzgebieten, CU Hochschule Kärnten), Gabriela Krist (UNESCO-Lehrstuhl für Konservierung und Erhaltung von materiellem Kulturerbe, Universität für angewandte Kunst Wien), Kurt Luger (UNESCO-Lehrstuhl für Kulturerbe und Tourismus, Universität Salzburg) und Carmen Sippl (UNESCO-Lehrstuhl für Learning and Teaching Futures Literacy in the Anthropocene, Pädagogische Hochschule Niederösterreich).
Moderiert wurde die Veranstaltung von Ö1-Journalistin Renata Schmidtkunz. Im Anschluss kamen die mehr als 40 Teilnehmer:innen zu einem gemeinsamen Austausch im Foyer der Hochschule zusammen.
Exkursion in den Naturpark Dobratsch
Passend zum Schwerpunkt der Tagung führte der zweite Tag die Teilnehmer:innen auf den Dobratsch. Von der Roten Wand verlief die Route über die Rosstratte zu den Aussichtspunkten Gams- und Gipfelblick. Die landschaftlich reizvolle Wanderung wurde durch informative Zwischenstopps an mehreren Stationen ergänzt.
Die Expert:innen Birgit Pichorner (Naturpark Dobratsch), Hannes Slamanig (bis 2023 Amt der Kärntner Landesregierung) und Tit Potočnik (Direktor des Nationalparks Triglav, Slowenien) gaben Einblicke in Nutzungskonflikte, insbesondere im Spannungsfeld zwischen Naturschutz und Tourismus, in die Gründungsphase des ehemaligen Nationalparks Nockberge sowie in den grenzüberschreitenden UNESCO-Biosphärenpark Julische Alpen in Slowenien und Italien. Die Tagung endete mit einem Aufenthalt im Restaurant Rosstratte.
Das diesjährige Treffen der UNESCO-Lehrstühle in Österreich war von zahlreichen konstruktiven Diskussionen geprägt und markierte den Beginn eines intensivierten interdisziplinären und fachübergreifenden Austauschs innerhalb des Netzwerks. 2026 werden die UNESCO-Lehrstühle erneut zusammenkommen.
Organisiert wurde die Tagung von der Österreichischen UNESCO-Kommission in Kooperation mit dem UNESCO-Lehrstuhl für nachhaltiges Management von Schutzgebieten, der an der CU Hochschule Kärnten in Villach angesiedelt ist. Das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung unterstützte die Veranstaltung finanziell.
