Grundrecht auf digitale Gesundheit
Lukas Wohofsky sucht im Projekt „Health for all“ nach Lösungen gegen Zugangshürden zum Gesundheitssystem.
Interview: Health for All – Zugang zum Gesundheitssystem für benachteiligte Gruppen
Herr Wohofsky, ein Forschungsprojekt mit dem Titel „Health for All“ beschäftigt sich mit dem Zugang zum Gesundheitssystem für benachteiligte Gruppen. Was sind die Hürden?
Lukas Wohofsky: Gemeinsam mit meiner Kollegin Anna-Theresa Mark haben wir Interviews geführt und einige Problemstellen identifizieren können. Dazu zählen unter anderem sprachliche, geografische und migrationsbedingte Barrieren. Der Zugang zum Gesundheitssystem wird aber auch eingeschränkt, wenn Alter, Gesundheit, Bildung und finanzieller Status nicht ideal sind.
Welche Personengruppen stehen konkret im Fokus des Projekts „Health for All“?
Lukas Wohofsky: Gesundheit ist ein Grundrecht – doch der Zugang dazu ist nicht für alle gleich selbstverständlich. Im Fokus stehen daher Personen, die sich bei der Nutzung von Gesundheitsdienstleistungen oder Angeboten zur Gesundheitsförderung schwer tun.
Um diese Schwierigkeiten zu überwinden braucht es „Gesundheitskompetenz“. Was verstehen Sie darunter?
Lukas Wohofsky: Im Projekt wird Gesundheitskompetenz als die Fähigkeit von Menschen definiert, gesundheitsrelevante Informationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und im Alltag anzuwenden, um informierte Entscheidungen für ihre Gesundheit treffen zu können. Wichtig ist dabei, Barrieren im Zugang zu Informationen und Gesundheitsangeboten zu reduzieren, sodass auch Menschen mit unterschiedlichen sprachlichen, kognitiven oder sozio-ökonomischen Voraussetzungen Gesundheitsinformationen nutzen können.
Ein Projektziel ist die Entwicklung eines Schulungsprogramms für digitale Gesundheitskompetenz. Wie kann das im Alltag umgesetzt werden?
Lukas Wohofsky: Das entwickelte Schulungsprogramm ist in verschiedenen Modulen aufgebaut und verbindet grundlegendes Wissen zur digitalen Gesundheitskompetenz mit praktischen Trainings zu Smartphones, Gesundheits-Apps, Wearables und anderen digitalen Technologien. Ergänzend werden Themen wie Social Media, Serious Games sowie die elektronische Gesundheitsakte oder Datenschutz behandelt. Das Training wird an der CU Hochschule Kärnten in Klagenfurt in einem dafür entwickelten Schauraum für Digitale Gesundheitstechnologien durchgeführt, was es Teilnehmenden ermöglicht, Gesundheits- und Assistenztechnologien praxisnah kennenzulernen und ihre digitalen Kompetenzen zu stärken.
Die Entwicklung eines mobilen Gesundheitsangebots ist ebenfalls Teil des Projekts. Was kann man sich darunter vorstellen?
Lukas Wohofsky: Ein mobiles Gesundheitsangebot bringt Gesundheitsdienstleistungen zu den Menschen – dort, wo diese leben, arbeiten, in ihre Communities. Im Projekt wird dies im urbanen Gebiet durch ein Lastenrad umgesetzt, im ruralen Gebiet mittels Elektroauto. Dabei werden vor allem Gesundheitsinformationen bzw. Förderungsmaßnahmen vermittelt. Wichtig für die Alltagstauglichkeit ist die Umsetzung durch bestehende Organisationen, die die Maßnahmen auch nach der Projektlaufzeit weiterführen können. Zusätzlich arbeiten wir an der Qualifizierung von Health Guides und Health Interpretern, die Betroffene beim Zugang zum Gesundheitssystem begleiten.

Wichtig ist, die Barrieren im Zugang zu
Informationen und Gesundheitsangeboten
zu reduzieren.
Projektinfo
Health for All: „Gesundheit für alle“ ist ein Projekt der Forschungsgruppe ENABLE der CU Hochschule Kärnten mit weiteren Partnerinstitutionen und läuft bis August 2026. Interreg V-A Slowenien Österreich & KWF fördern das Projekt mit rund 920.000 Euro.
Diese Seite erscheint in Kooperation mit der Kärntner Hochschulkonferenz. Die redaktionelle Verantwortung liegt ausschließlich bei der „Kleinen Zeitung“.
