Content ist King … aber wer kauft? Der IDMID 2026 stellt Content auf die Probe
Mehr Content, mehr Kanäle, mehr KI – aber nicht unbedingt mehr Wirkung. Beim International Digital Marketing Inspiration Day 2026 kamen Marketingexpert:innen an der CU Hochschule Kärnten zusammen, um der Frage nachzugehen, was es braucht, damit Content tatsächlich wahrgenommen wird, Relevanz schafft und zum Handeln bewegt.
Am 3. November wurde das Audimax am Campus Villach zum Treffpunkt für digitales Marketing: Knapp 250 Teilnehmer:innen aus Wissenschaft und Wirtschaft kamen zum International Digital Marketing Inspiration Day 2026 zusammen. Unter dem diesjährigen Motto „Content Is King … but Who’s Buying?“ widmete sich die Veranstaltung einer der drängendsten Fragen des modernen Marketings: Was funktioniert tatsächlich in einer Welt, die von Content überflutet wird?
Noch nie war es so einfach, Inhalte zu erstellen. KI generiert Texte, Bilder und Ideen innerhalb von Sekunden, Social-Media-Plattformen bieten eine nahezu endlose Vielfalt an Formaten und Marken veröffentlichen Inhalte in einem bisher unerreichten Tempo. Doch mehr Content bedeutet nicht automatisch mehr Wirkung.
Dieses Spannungsfeld prägte einen ganzen Tag voller Vorträge, Praxisbeispiele und Diskussionen am Campus Villach. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Rektorin Kathrin Stainer-Hämmerle, die die Teilnehmer:innen herzlich begrüßte, bevor sie das Wort an internationale und interdisziplinäre Speaker:innen übergab.
Jenseits des KI-Hypes
Die Eröffnungskeynote stellte eine der vorherrschenden Erzählungen im heutigen Marketing unmittelbar infrage. Andy Starr und Sabine Friesser von Level C eröffneten mit ihrem Vortrag „The Other AIs: Why the Greatest Threat to Marketing Is Not AI“ neue Perspektiven auf das Thema und lenkten den Blick weg von der Technologie allein hin zu den strategischen Herausforderungen, denen Unternehmen mehr Aufmerksamkeit schenken sollten.
Von dort aus verlagerte sich der Fokus auf eine der knappsten Ressourcen im Marketing: Aufmerksamkeit.
Roland Scharf stellte die Frage „What’s a King without a Kingdom?“ und beleuchtete die Zusammenhänge zwischen Zielgruppen, Psychologie, Aufmerksamkeit und KI-gestütztem Kundenverhalten. Anschließend leitete Nina Käfel die Diskussion auf das Destinationsmarketing. In ihrem Vortrag „Selling Sunsets? Selling Carinthia.“ ging es darum, wie touristischer Content über schöne Bilder hinausgehen und Aufmerksamkeit in echte Begehrlichkeit verwandeln kann.
Aufmerksamkeit ist jedoch nur der Anfang. Menschen dazu zu bringen, beim Scrollen innezuhalten, ist lediglich ein Teil der Gleichung.
Die Sessions am Nachmittag folgten der Customer Journey weiter und gingen der Frage nach, was passiert, nachdem die Aufmerksamkeit gewonnen wurde. In seinem Vortrag „From Content to Customer“ untersuchte Manuel Antonitsch, wie Paid Media dazu beitragen kann, Aufmerksamkeit in qualifizierte Vertriebspotenziale zu verwandeln und Marketingaktivitäten enger mit dem Vertrieb zu verknüpfen. Christina Moser näherte sich der Frage aus einer anderen Perspektive. In „Say Goodbye to One-Time Guests“ zeigte sie, wie digitale Lösungen aus einzelnen Transaktionen langfristige Kundenbeziehungen entstehen lassen können.
Das Programm führte bewusst von der Gewinnung von Aufmerksamkeit hin zur Umwandlung von Aufmerksamkeit in Kund:innen. Damit spiegelte es eine der zentralen Erkenntnisse des Tages wider: Reichweite und Engagement werden erst dann wirklich wertvoll, wenn sie sich in relevante Ergebnisse für Kund:innen und Unternehmen übersetzen lassen.
Was macht guten Content tatsächlich aus?
Diese Frage stand im Mittelpunkt der Session von Bernhard Guetz mit dem Titel „What Great Content Gets Right and What Bad Content Gets Wrong“. Statt nach einem einzigen Erfolgsrezept für guten Content zu suchen, beleuchtete der Vortrag die unterschiedlichen Rollen, die Inhalte bei der Ansprache und Beeinflussung von Zielgruppen spielen können.
Auf Basis des Core Content Styles Model wurden drei grundlegende Ansätze unterschieden: Wissen und Orientierung, Inspiration sowie Unterhaltung. Beispiele von Mayo Clinic, IKEA und Deloitte bis hin zu Patagonia, LEGO, Airbnb, Duolingo und Netflix veranschaulichten, wie unterschiedlich gestaltete Inhalte einen Mehrwert schaffen können – vorausgesetzt, ihr Zweck ist klar definiert.
Zum Abschluss richtete sich der Blick über den Content selbst hinaus. In „The Blind Spot in Your AI Strategy: Six Ways AI Is Changing Markets“ verlagerte Alexander Schwarz-Musch die Perspektive von der Nutzung von KI innerhalb von Organisationen hin zur Frage, wie KI Kund:innen, Wettbewerber, Märkte und Wertschöpfungsketten verändert.
Content bleibt King. Aber Content allein reicht nicht.
Über die unterschiedlichen Branchen und Perspektiven hinweg kristallisierte sich beim IDMID 2026 eine gemeinsame Erkenntnis heraus: Erfolgreiches digitales Marketing beginnt und endet nicht mit der Content-Produktion.
Es erfordert ein Verständnis der Zielgruppen und ihrer Customer Journeys. Es braucht Kreativität, Glaubwürdigkeit und Relevanz. Ebenso entscheidend sind die richtige Distribution und eine durchdachte Mediastrategie. Und zunehmend müssen Unternehmen verstehen, wie KI nicht nur die Erstellung von Inhalten verändert, sondern auch jene Märkte, in denen sich diese Inhalte behaupten müssen.
Content mag weiterhin King sein. Doch ohne die richtige Zielgruppe, eine klare Strategie und einen passenden Weg zu den Kund:innen regiert selbst der König ein leeres Königreich.
Mit knapp 250 Teilnehmer:innen aus Wissenschaft und Wirtschaft bot der IDMID 2026 am Campus Villach erneut eine Plattform, um aktuelle Marketingpraxis mit Forschung, Lehre und neuen Perspektiven auf die Zukunft des digitalen Marketings zu verbinden.
Ausblick auf den IDMID 2027
Und die Diskussion geht weiter: Nach der diesjährigen Veranstaltung soll der International Digital Marketing Inspiration Day 2027 erneut am Campus Villach stattfinden. Auch im kommenden Jahr wird die Veranstaltung Vertreter:innen aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie die nächste Generation von Digital Marketer zusammenbringen, um jene Ideen, Technologien und Entwicklungen zu beleuchten, die die Zukunft der Branche prägen.









