Die Sonnenblume unterm Mikroskop

In der Suche nach klimafitten Pflanzenzüchtungen beteiligt sich die CU an der Erforschung von Sonnenblumen.

Man möchte meinen, dass gerade die Sonnenblume die Hitze dieses Sommers noch am besten wegstecken könne. Schließlich gedeiht sie sogar auf Böden, die nur wenig Wasser speichern. Aber in diesem Fall ist Nomen eben nicht Omen – minus 35 bis 50 Prozent liegt die geschätzte Ernteerwartung für die heurige Saison, je Hektar können deutlich weniger als 1000 Kilo Sonnenblumenkerne zusammenkommen. Und das bei einer Pflanze, die mit trockenen klimatischen Bedingungen grundsätzlich gut umgehen kann. Aber 2026 gab es sogar für den Sonnenanbeter zu viel des Guten – und der Hitze.

Das schadet nicht nur der Landwirtschaft, sondern auch der Artenvielfalt: Ein Forschungsteam rund um den Umweltgenetiker Vid Švara an der CU Hochschule Kärnten hat nachweisen können, dass Sonnenblumen mit bis zu 200 verschiedenen Tierarten und Organismen im Austausch stehen. „Sonnenblumen sind für Tiere eine bedeutende Nahrungsquelle. Sie bieten etwa Pollen und Nektar für Bestäuber wie Bienen, Schmetterlinge und Wespen“, sagt Švara, dem die Bestimmung der Arten, die mit der Sonnenblume interagieren, mit einer eigens entwickelten Methode gelungen ist.

Švara hat dafür Erbgutspuren auf den Köpfen der Sonnenblumen nachgewiesen. „Speichel, Kot, Schuppen und Haut – all das enthält DNA. Durch Auswaschen der Blumenköpfe mit speziellen Lösungen können diese Informationen konserviert und im Labor analysiert werden. So weiß man am Ende genau, welche Art welche Blüte in welcher Wachstumsphase besucht hat.“

Mit Insektenfallen und Kamerabildern konnte die Genauigkeit dieser Methode bestätigt werden, sodass sie jetzt europaweit im Projekt HelEx zur Anwendung kommt. Dieses von der EU geförderte Forschungsvorhaben hat zum Ziel, klimaresistente Pflanzenarten voranzutreiben und im realen Anbau zu testen. Die CU als Projektpartner ist dafür zuständig, zu untersuchen, welche Auswirkungen die neuen Zuchtformen auf die Bestäuber und somit auf die Biodiversität im Umfeld der Pflanzen haben. „Uns interessiert, ob diese neuen Hybridpflanzen eine größere Vielfalt an Organismen anziehen und ob sich das in Ländern mit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen anders verhält“, sagt Švara. Diese Erkenntnisse werden zu Projektende in die Entscheidung einfließen, welche Sonnenblumen besonders geeignet sind für den zukünftigen Anbau in einem Europa, das durch die Klimaerhitzung vor großen Aufgaben steht.

Sonnenblumen sind für Bestäuber wie Bienen, Schmetterlinge und Wespen eine bedeutende Nahrungsquelle.

Diese Seite erscheint in Kooperation mit der Kärntner Hochschulkonferenz. Die redaktionelle Verantwortung liegt ausschließlich bei der „Kleinen Zeitung“.