


Von der Theorie in die Praxis: Wie ACE²-EU unternehmerisches Denken bei Studierenden fördert
Drei Studierende der CU Hochschule Kärnten berichten von der ersten Transnational Student Entrepreneurship Traineeship Week 2026 – und davon, wie aus technischen Ideen unternehmerische Konzepte werden können.
Hochschulen vermitteln Wissen – sie schaffen aber auch Räume, in denen neue Ideen entstehen, erprobt und weiterentwickelt werden können. Genau hier setzt die europäische Hochschulallianz ACE²-EU an: Sie bringt akademisches Lernen näher an reale Herausforderungen und fördert Innovation, Entrepreneurship und internationale Zusammenarbeit an europäischen Hochschulen.
Wie das konkret aussehen kann, zeigte die erste ACE²-EU Transnational Student Entrepreneurship Traineeship Week 2026. Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen und aus mehreren europäischen Ländern arbeiteten eine Woche lang gemeinsam an gesellschaftlichen Herausforderungen und entwickelten daraus erste tragfähige Geschäftsideen. Im Mittelpunkt standen praktisches Ausprobieren, Lernen, Entwickeln und grenzüberschreitende Zusammenarbeit.
Raus aus der technischen Komfortzone
Mit dabei waren auch Haider Ali, Justin Kuriakose John und Salman Ahmed Nur. Alle drei studieren Electrical Energy and Mobility Systems an der CU Carinthia University of Applied Sciences | Hochschule Kärnten.
Für sie bot die Traineeship Week die Gelegenheit, ihre technische Ausbildung um eine neue Perspektive zu erweitern: Wie wird aus einer Idee eine Lösung? Welche Bedürfnisse haben potenzielle Nutzer:innen? Und was braucht es, um aus einem technischen Konzept ein mögliches Geschäftsmodell zu entwickeln?
Justin beschreibt seine Motivation als die Chance, „etwas über mein technisches Studium hinaus zu lernen“. Haider wollte internationale Erfahrung sammeln und mit Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenarbeiten. Salman wiederum nutzte die Gelegenheit, um sein „unternehmerisches Potenzial zu entfalten“ und von Menschen mit praktischer Business-Erfahrung zu lernen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei der ARIES Incubator – Applied Research, Innovation and Entrepreneurship Support von ACE²-EU. Er verbindet angewandte Forschung und akademisches Wissen mit konkreter Unterstützung für Innovation und Entrepreneurship.
Von der Idee zum Pitch
Besonders wertvoll war für die Studierenden die Arbeit mit Mentor:innen. Haider bezeichnet sie als einen der prägendsten Teile der Woche. Die Begleitung half den Teams dabei, ihre Ideen zu hinterfragen, weiterzuentwickeln und Schritt für Schritt in realistischere Konzepte zu übersetzen.
Ein Beispiel dafür ist UrbanVolt. Die Idee: eine portable Solarlösung für Menschen, die in Mietwohnungen leben und keine permanenten Solaranlagen installieren können. Das System soll beim Umzug mitgenommen werden können und gleichzeitig als Notstromversorgung bei Stromausfällen dienen.
Vom ersten Gedanken bis zu einem präsentierbaren Pitch war es jedoch ein intensiver Prozess. Für Salman lag gerade darin ein wichtiger Lerneffekt: Herausforderungen zwangen das Team dazu, das Konzept weiterzuentwickeln und neue Problemlösungsstrategien zu finden.
Entrepreneurship beginnt mit einer Idee
Vor der Teilnahme hatten die drei Engineering-Studierenden nur wenige Berührungspunkte mit Start-ups und Entrepreneurship.
Haider sagt, dass er viel darüber gelernt habe, wie ein Start-up aufgebaut werden kann. Justin ergänzt, dass ihm zuvor Wissen über Start-ups gefehlt habe. Durch die Traineeship Week habe er erkannt, dass „es möglich ist, eine Idee zu einem realen Produkt weiterzuentwickeln“. Neben der Entwicklung von Geschäftsideen lernten die Teilnehmenden, Kundenbedürfnisse zu identifizieren, Annahmen zu hinterfragen und ihre Konzepte überzeugend zu präsentieren.
Andere Perspektiven verändern den Blick
Mindestens ebenso wichtig war die internationale Zusammenarbeit. Studierende mit unterschiedlichen Ausbildungen, beruflichen Erfahrungen und persönlichen Zielen arbeiteten gemeinsam an Lösungen.
Haider hebt besonders die Vielfalt der Gruppe hervor: Alle Teilnehmenden hätten unterschiedliche Hintergründe, Ausbildungen, Berufe und Zukunftspläne mitgebracht. Genau diese Unterschiede eröffneten neue Blickwinkel auf Probleme und mögliche Lösungen.
Für Salman gehörte auch ein anderer Umgang mit Fehlern zu den wichtigsten Erkenntnissen:
„Meine Zeit bei ACE²-EU hat mir gezeigt, dass Scheitern nichts ist, das man fürchten muss, sondern ein wichtiger Teil von Wachstum.“
Sein Rat an andere Studierende: eigene Annahmen hinterfragen, offen für Feedback bleiben und Ideen nicht zu früh verwerfen.
„Einfach bewerben“
Alle drei empfehlen anderen Studierenden, ähnliche ACE²-EU-Angebote zu nutzen.
Justin rät dazu, sich „ohne zu zögern zu bewerben“ – auch ohne Vorkenntnisse im Bereich Entrepreneurship. Salman empfiehlt, mit Offenheit an die Erfahrung heranzugehen und keine Angst davor zu haben, eigene Ideen zu teilen. Haider bringt es auf einen einfachen Nenner: teilnehmen, lernen, entdecken und Dinge aus der Perspektive anderer betrachten.
Für Justin hat die Erfahrung vor allem eines bewirkt: Sie habe seine Sicht auf Innovation und Entrepreneurship verändert.
Durch Mentoring, praktische Arbeit und internationale Zusammenarbeit bietet ACE²-EU Studierenden damit die Möglichkeit, bestehendes Fachwissen mit unternehmerischem Denken zu verbinden – und aus ersten Ideen konkrete Lösungsansätze für gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln.
Weitere Traineeship Weeks geplant
In den kommenden zwei Jahren sind sechs weitere Transnational Student Entrepreneurship Traineeship Weeks vorgesehen.
2027 sollen Veranstaltungen an der CU Hochschule Kärnten, bei LIK in Litauen und UPS in Portugal stattfinden. Für 2028 sind UFV in Spanien, LKA in Lettland und UGD in Nordmazedonien als Gastgeber vorgesehen.
Ein Artikel von Farid Aliyev, ACE²-EU Student Board Representative an der CU Hochschule Kärnten